Donnerstag, 28. März 2013

Soziale Netzwerke - Wie viel sollte man von sich preisgeben?

Es ist die ewige Gretchenfrage: Wie privat dürfen oder sollten die Informationen und Meinungsäußerungen sein, die man in Sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. postet?

Vor kurzem habe ich bei Facebook einen Post mit dem Angebot gelesen, Mitleid bei Bedarf vorzutäuschen und gerichtet war jener Post u.a. an alle „Dauerjammerer“ und „unaufgeforderte Krankengeschichtenverbreiter“.
Einerseits erschien mir dieser Post ein wenig hart – andererseits konnte ich ihn auch nachvollziehen, denn auch ich habe einige Netzwerk-Kontakte, von denen ich häufiger etwas über ihren aktuellen Gesundheitszustand erfahre, als darüber, was sie gerade so umtreibt.

Das Problem dabei liegt sicherlich auch in der Natur der Kontakte. Wenn man sich für ein bestimmtes Interessensgebiet begeistert – so wie in meinem Fall das Lesen, das Schreiben und die Literatur im Allgemeinen – dann ergeben sich in Netzwerken schnell eine ganze Reihe von Kontakten, mit denen man nur virtuell bekannt ist, persönlich kennt man tatsächlich nur wenige davon.
So habe ich beispielsweise bei Facebook sehr viele Freunde, denen ich noch nie begegnet bin, mit denen mich aber die Leidenschaft für Bücher eint. Interessiert es diese Leute wirklich, ob ich letzte Nacht schlecht geschlafen habe, weil mich mein Hüftweh wieder plagt? Wahrscheinlich eher nicht.
Zudem bin ich noch nach der Parole „Zusammenreißen und Zähne zusammenbeißen“ erzogen worden – ich tue mich äußerst schwer damit, mich anderen zu offenbaren, wenn es mir gerade mal weniger gut geht. Nur gelegentlich habe ich mal von der einen oder anderen Krankheit berichtet, wenn ich den Eindruck hatte, erklären zu müssen, warum ich in jener Zeit so selten online bin.

Andererseits ...
Andererseits, was ist so schlimm daran, wenn man anderen die Gelegenheit gibt, auch ein wenig Anteil zu zeigen? Jaja, ich weiß, „Neid muss man sich verdienen und Mitleid bekommt man geschenkt“. Aber wenn es einem gerade so richtig mies geht und man sich nur wie ein Häufchen Elend fühlt, kann man ein wenig geschenktes Mitleid doch vielleicht gerade gut gebrauchen?
Sicher bieten Netzwerke wie Facebook in dem Fall die Möglichkeit, mein „Ich bin total erkältet“-Posting nur für enge Freunde lesbar zu schalten, so dass die übrigen Kontakte es nicht sehen müssen. Aber wenn die engen Freunde gerade alle offline sind? Wer tröstet einen dann?
Und jeder kann ab und zu ein wenig Trost gebrauchen.

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass jener Trost von XY dann nur geheuchelt ist, weil XY mich gar nicht persönlich kennt und nur höflich sein will. Aber ebenso oft besteht die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwelche Gratulationen oder Glückwünsche, die ich auf positive Nachrichten erhalte, nicht weniger geheuchelt sind.
Warum sollte ich mir also den Tag damit vermiesen, bei jedem Einzelnen zu hinterfragen, wie ernst seine Äußerungen gemeint sein könnten? Das wäre ebenso aussichtslos wie unnütz.

Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, wie viel Privates er postet und wem er mitteilt, wenn es ihm mal schlecht geht. Gut möglich, dass manche solche Postings auch überstrapazieren. Aber die kann ich ja dann bei Bedarf überlesen.

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